Da bei der Zylinderdruckpresse
(1812) die Rückwärtsbewegung der Druckform ohne Druckvorgang verlief (Leerlauf), baute
ihr Erfinder Friedrich Koenig ein zweites Modell mit zwei Zylindern
(Doppelzylinderdruckpresse, "Doppelmaschine"), das diesen Mangel behob. 1814
lieferte er dem Verleger der Londoner "Times" John Walter II. zwei
Doppelmaschinen mit einer Stundenleistung von 1100 Drucken sowie mit Dampfantrieb. Auf
ihnen wurde am Abend des 28. November 1814 als erste Zeitung der Welt binnen weniger
Stunden die "Times" in 4000 Exemplaren gedruckt. In einem Leitartikel in der
ersten Nummer aus Koenigs Doppelmaschine würdigte John Walter das Ereignis. Der Holzschnitt, insbesondere der Holzstich, fand als
Illustrationstechnik nicht nur in Büchern, sondern auch in Zeitschriften Eingang.
Die Kaufzeitung (Straßenverkaufszeitung,
Boulevardzeitung) ist eine sensationell aufgemachte und in hohen Auflagen gedruckte und
daher billige Tageszeitung, die, im Gegensatz zur Abonnementzeitung, hauptsächlich an
Kiosken (früher auch von Straßenverkäufern) vertrieben wird.
"General-Anzeiger" ist ein
Titelbestandteil deutscher Tageszeitungen, der Blätter ohne parteipolitische oder
richtungsbestimmte Bindung als "allgemeine" (General-) Zeitungen mit einem
ausgedehnten Anzeigenteil (-Anzeiger) bezeichnet. Als Schöpfer des Generalanzeigertyps in
Deutschland gilt der Aachener Verleger Josef La Ruelle, der 1871 mit dem "Aachener
Anzeiger" (Aachen 28. 5. 1871 - 12. 9. 1944) den ersten General-Anzeiger gründete.
Die erste Rollenrotationsmaschine in Deutschland
baute die Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg, die spätere M. A. N., für die
österreichische Tageszeitung "Die Presse" (Wien). Sie lief 1873 an. (1876 kamen
auch die ersten Rotationsmaschinen der Firma Koenig & Bauer auf den Markt.) Die erste
deutsche Fachzeitschrift für das Fleischergewerbe war die wöchentlich erscheinende
"Allgemeine Schlächter-Zeitung. Organ für die Interessen der Schlachtkunst, des
Viehhandels und der Viehzucht", Berlin 1873-1875 (Forts.: Deutsche Fleischer-Zeitung
[zugleich Organ des "Deutschen Fleischer-Verbandes"' gegr. 1875], Berlin 1876 -
[1. Oktober] 1922).
Die Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg (später M. A. N.) baute
1879 die erste Rotationsmaschine für den Illustrationsdruck der
Zeitschrift "Die illustrierte Welt", die in der Deutschen Verlagsanstalt,
Stuttgart, erschien.
Die erste Photographie (ein Gralsbecher) in
einem deutschen Presseorgan druckte die "Leipziger Illustrirte Zeitung" nach dem
von Georg Meisenbach 1881 entwickelten Autotypieverfahren 1883 ab.
In den siebziger Jahren des 19. Jh. verstärkte sich das
Bestreben der Erfinder, eine Ein-Mann-Setzmaschine zu bauen, bei der das Setzen,
Ausschließen und Ablegen mechanisch erfolgen. Das gelang zuerst dem 1872 nach Amerika
ausgewanderten deutschen Uhrmacher und Feinmechaniker 0ttmar Mergenthaler
(* Hachtel [heute zu Bad Mergentheim] 1854, Baltimore [Md.] 1899). Im Gegensatz zu
den bisher konstruierten Typensetzmaschinen verwendete Mergenthaler nicht die einzelnen
Bleilettern des Setzers, sondern die Matrizen des Schriftgießers (allerdings in Form von
Messingmatrizen), setzte sie zu Zeilen zusamen und goß diese Zeilen. So wurde er zum
Erfinder der Zeilenguß-Setzmaschine "Linotype", zu deren
Handhabung nur eine Person notwendig ist, die eine Tastatur zu bedienen hat (Patent 1888).
(Die Massenproduktion der Matrizen, auf denen das mechanische Setzverfahren beruht, wurde
aber erst durch zwei Erfindungen des amerikanischen Schriftgießers Linn Boyd Benton aus
Milwaukee [Wis.] möglich: der Stempelschneidemaschine [1885] und der Matrizenbohrmaschine
[1906].)
Als Geburtstag der Linotype gilt der 26.
Juli 1884. An diesem Tage führte Mergenthaler seine erste funktionierende Maschine einem
Kreis von Fachleuten vor. Die erste Linotype-Maschine wurde bei der "New York
Tribune" aufgestellt und nahm am 3. Juli 1886 ihre Arbeit auf. (Dabei sah der
Verleger der New York Tribune, Whitelaw Reid, zu und soll "A line of types!"
[engl.= Eine Zeile aus Lettern!] ausgerufen und damit den Namen "Linotype"
erfunden haben.) Die Linotype Mergenthalers, die eine Setzleistung von etwa 6000
Buchstaben je Stunde erreichte, fand besonders im Zeitungsdruck Verwendung.
Die Tageszeitung "Berliner Börsen-Courier" (gegr.
1868, 1934 mit "Berliner Börsen-Zeitung" vereinigt) stellte 1885 den ersten
Sportredakteur in Deutschland ein.
Das erste deutsche internationale Zeitungsmuseum
wurde 1885 in Aachen von dem Aachener Bürger Oscar von Forckenbeck (* 1822,
1898) (als Privatsamlung) gegründet. Seit 1899 im Besitz der Stadt Aachen nennt es sich
heute "Internationales Zeitungsmuseum der Stadt Aachen".
Als erste deutsche Tageszeitung führten 1886
die "Neuesten Nachrichten" (München 9. 4. 1848 - Juni 1887; Forts.;
Münch[e]ner Neueste Nachrichten, München 14. 6. 1887 - 28. 4. 1945) eine Sportrubrik
ein.
Die erste deutsche Fachzeitschrift für das
Zeitungswesen war "Das Zeitungs-Museum", Aachen (Jg. 1) 1889-1890. Herausgeber
war Oscar von Forckenbeck (* 1822, 1898), der Gründer des heutigen
"Internationalen Zeitungsmuseums der Stadt Aachen" (gegr. 1885).
"Die Woche. Moderne illustrierte
Zeitschrift", erschienen 1899-1944 in dem von August Hugo Friedrich Scherl (*
Düsseldorf 1849, Berlin 1921) 1883 in Berlin gegründeten Scherl-Verlag, führte
als erste deutsche Illustrierte den Mehrfarbendruck und die aktuelle Photoreportage ein.